Würm Kunst & Kultur

Bücher, Veranstaltungen, Fachartikel, Literatur-Beiträge

Ein weiteres umfassendes Flußprojekt  

Die Würm

Die Würm entspringt dem Würmsee, der heute jedoch bekannter ist unter dem Begriff Starnberger See; und sie mündet bei Dachau in die Amper.

Die Haupt-Buchreihe Nymphenspiegel, unter dessen Dach wiederum die Fluß-Reihe Die neue Isar mit je ein bis zwei Bänden jährlich erscheint, steht im Zentrum des Nymphenspiegel-Kulturprojekts, das um das Jahr 2000 entstanden war und dessen ersten fünf Ausgaben sich, ausgehend vom Nymphenburger Schloßpark, intensiv mit der Würm und dem ihr verbundenen Kanalsystem befassen. Inhaltlich ergänzt werden die Nymphenspiegel-Bände durch den Nymphenburg Blog – Schloßpark, Würm unter www.nymphenspiegel.de/nymphenspiegel-baende/nymphenburg-blog-schlosspark-wuerm

Mittlerweile hat sich der Schwerpunkt dieser Buchreihe zwar zur Isar und noch etwas weiter Richtung Donau hin verlagert, dennoch werden die Nymphenspiegel-Bände auch künftig, thematisch und inspirativ, in Teilen von der Würm mit durchflossen: und zwar vom Würmsee aus bis in die Bereiche des nördlichen Münchner Hinterlandes und in die Amper hinein. Mehr zum Nymphenspiegel-Kulturprojekt unter dem Link www.nymphenspiegel.de.

Herkunft, Entwicklung und Kontinuität des Gesamtprojektes Rechnung tragend, bietet der Nymphenspiegel mit Forum & Redaktion Die neue Isar, neben dem auf dieser Homepage vorgestelltem Isar-Engagement, in etwas kleinerem Umfang, und durchaus passend zu den räumlich andersgearteten Dimensionen der Würm, ein jedoch ebenso umfassendes Flußkunst- und Flußkulturprojekt zur Würm.

Und dieses steht sämtlichen Würmliebhabern, Würmkünstlern und sonstigen Personen zur Verfügung, die sich von dieser Fluß-Landschaft angesprochen und inspiriert fühlen oder sich, neben ihrem künstlerischen Interesse am Fluß, naturschützerisch, politisch und gesellschaftlich für ihn einsetzen.

Das gilt auch für weitere Flußprojektgärtner, die den Nymphenspiegel als Plattform und Würmbühne nutzen möchten: um ihre Arbeit, ihre Anliegen und ihr Engagement hinsichtlich der Würn, die damit verbundenen Themen und Aspekte, einem größeren Publikum vorzustellen.

Außerdem tragen die Teilnehmer damit auch zu dem sich in diesem Würm-Forum ständig erweiterndem Archiv an Wissen über diesen Fluß und seine uferseitigen Themen bei, womit sie zugleich auch die kulturelle Vielfalt in Verbindung mit der Würm und ihre weit zurückreichenden historischen Flußlinien aufzeigen helfen.

Und dabei wird dieser Strom an Inspiration, Ideen und Wissen in stetig anschwellender Weise ebenso sichtbar, wie das gleichfalls beim parallel verlaufenden Projekt für die Isar geschieht, .

 Im Anschluß an diesen Text finden sich nun einige Texte.

Weitere Fachartikel, Reportagen, Interviews und Literaturbeiträge zur Würm, die bereits im Rahmen des Nymphenspiegel-Flußforums publizierten wurden, gibt es hauptsächlich in den ersten fünf Bänden des Nynmphenspiegels, jedoch fortlaufend fließend auch in allen weiteren Ausgabe der Nymphenspiegelreihe Die neue Isar, in einem eigens dafür vorgesehenen Kapitel.

Ausführlichere Informationen zu den einzelnen Nymphenspiegel-Bänden erhalten Sie auf dieser Homepage, unter dem Link www.die-neue-isar.com/die-neue-isar.

 

 

Die bis 2012 erschienenen Nymphenspiegel-Bände & Versand

Band I des Nymphenspiegels (Lyrik, Prosa und Geschichte, Das Jahrbuch zum Nymphenburger Schloßpark) ISBN 3-86520-177-6, Allitera Verlag, 160 Seiten, Vierfarbdruck auf Photokunstpapier, Festpreis 20,– Euro

Band II des Nymphenspiegels (Lyrik, Prosa und Geschichte, Das Jahrbuch zum Nymphenburger Schloßpark) ISBN 978-3-86520-251-2, fortan bei BUCH&media, 164 Seiten, Festpreis 16,90 Euro

Band III des Nymphenspiegels (Lyrik, Prosa und Geschichte, Das Jahrbuch zum Nymphenburger Schloßpark) ISBN 978-3-86520-292-5, 192 Seiten, Festpreis 19,80 Euro

Band IV des Nymphenspiegels (Apollo-Forum, Lyrik, Prosa und Geschichte) ISBN 978-3-86520-330-4, 168 Seiten, Festpreis 16,90 Euro

Band V des Nymphenspiegels (Aus den Gärten, Lyrik, Prosa und Geschichte) ISBN 978-3-86520-356-4, 160 Seiten, Festpreis 16,90 Euro

Band VI des Nymphenspiegels (Die Neue Isar, Renaturierung, kulturelle Öffnung und Ideen-Fluß/ 1. Band): ISBN 978-3-86520-381-6, 192 Seiten, Festpreis 18,90 Euro

Band VII des Nymphenspiegels (Die Neue Isar, Renaturierung, kulturelle Öffnung und Ideen-Fluß/ 2. Band), ISBN 978-3-86520-390-8) ist zugleich „Das Buch zum Abschluß des Projekts Isarplan in München“, 240 Seiten, Festpreis 19,80 Euro

Band VIII des Nymphenspiegels (Die Neue Isar, Renaturierung, kulturelle Öffnung und Ideen-Fluß/ 3. Band/ Das Buch zum Münchener Isarplan, Teil 2), ISBN 978-3-86520-427-1, 224 Seiten, Festpreis 19,80 Euro

 

Die Reihe Nymphenspiegel hat die ISSN 2191-1371. Deren Bände werden in das Deutsche Literatur-Archiv in Marbach aufgenommen.

 

 

Zu Versand und Bestellung via Internet

Sämtliche im „Nymphenspiegel“ erschienenen Bände der Reihe können regulär und dauerhaft im gesamten deutschsprachigen Raum über den Buchhandel bezogen werden.

Gerne jedoch sende ich Ihnen das gewünschte Buch auch direkt, schnell und versandkostenfrei zu. Bestellen Sie dazu – unter Angabe des jeweiligen Bandes sowie Ihrer Post-Anschrift –einfach telephonisch unter 0049/ (0)89/ 56 48 37 oder per E-Mail unter nymphenspiegel@aol.com.

In der Regel erhalten Sie das Buch dann gleich innerhalb der darauf folgenden zwei Tage, mit beiliegender Rechnung, zur Überweisung.

Ralf Sartori
„Nymphenspiegel Kultur Forum München“/
Redaktion und Forum „Die neue Isar“
Tel: 0049/ (0)89/ 56 48 38
Mail: nymphenspiegel@aol.com

 

  

Teilnahmemöglichkeiten und Programm 

Wenn Sie sich nun in das Würmprojekt mit eigenen Text- bzw. Veranstaltungsbeiträgen einbringen möchten, steht ihnen dieses Flußforum dafür jederzeit kostenfrei offen, mit Buch-, Veranstaltungsbereich und mit seinem regelmäßig erscheinenden Newsletter. Diesen können Sie anfordern unter der Mail: nymphenspiegel@aol.com 

Weitere Infos zu allen Aspekten des Nymphenspiegels mit “Forum & Redaktion Die neue Isar“ und seinen Flußforen unter den Links dieser Seite: www.die-neue-isar.com 

 

Erleninseln in der Würm im März

 

Ausgewählte Beiträge zur Würm  

Bayerisches Venedig – das barocke Kanalnetz Max Emanuels  

Begonnen hat alles – und das ist wohl immer das Beste – mit Lust und Liebe.

Auch wenn es sich damals keineswegs um eine Liebesheirat gehandelt hat, sondern um eine ausgesprochen dynastisch kalkulierte Hochzeit. 1685 vermählt sich der Wittelsbacher Max Emanuel mit Maria Antonia von Habsburg, der Sohn des bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria und dessen savoyischer Gattin Adelaide mit einer Tochter Kaiser Leopolds I.

Aus diesem höchsterfreulichen Anlaß läßt Max Emanuel durch seinen Hofbaumeister Enrico Zuccalli zwischen 1684 und 1689 ein Vergnügungs- und Jagdschlößchen mit dem Namen „Lustheim“ errichten. Es lag etwa einen Kilometer entfernt vom Alten Schleißheimer Schloß aus den Zeiten seines Urgroßvaters Herzog Wilhelm V. und ihm in einer Sichtachse direkt gegenüber. Von einem Kanal ringförmig umgeben, sollte das Lustheim symbolisch auf der Insel Cythera liegen, der Insel der Liebe. Ein Liebesnest also, wie gesagt mehr symbolisch, denn Maria Antonia war ziemlich häßlich.

Höchsterfreulich waren eher die politischen Aussichten, die sich dem ehrgeizigen Max Emanuel mit dieser Heirat eröffneten. Nämlich die Anwartschaft auf den habsburgischen Kaiserthron plus das voraussichtlich baldige Erbe des spanischen Königthrons. Das weckte berechtigte bayerisch-kurfürstliche Großmachtträume in dem selbstbewußten jungen Feldherrn, der als „Türkensieger“ mit dem Sieg vor Wien 1683 so entscheidenden Anteil an der Abwendung dieser Bedrohung für Europa hatte. Den „Blauen Kurfürsten“ hatten die Türken respektvoll ihren Gegner wegen seiner Uniformfarbe genannt.

Daß Max Emanuel bauwütig auf diese glänzende Zukunft hasardierte – die ihn dann auf ganzer Linie im Stich ließ -, diesem Umstand verdankt Bayern, und hier besonders der Münchner Westen, Imposantes. Nicht nur den Ausbau Nymphenburgs und die Erbauung des Neuen Schloßes Schleißheim als Sommerresidenzen nach Versailler Vorbild in wahrhaft imperialen Dimensionen. Er schuf darüber hinaus auch – was heute vielen weit weniger bekannt ist – ein in Europa einmalig großdimensioniertes Kanalsystem für Last- und Lustfahrten.

Das Kanalnetz sollte die Sommerschlösser, Parks und Jagdgebiete von Nymphenburg, Dachau, Schleiß- und Lustheim und letztlich sogar die Münchner Residenz bedienen und verbinden. Auf einer Fläche von über 180 Quadratkilometer Wasserwege von insgesamt fast 50 Kilometern Länge !

Europäische Vorbilder gab es. Die Kanäle der oberitalienischen Tiefebene, die Max Emanuel von seinen geliebten und ausgedehnten „Freizeitaufenthalten“ in Venedig kannte. Den Canal du Midi in Südfrankreich, den sein Architekt Zuccalli genau studiert hatte. Und das Grachtensystem in den spanischen Niederlanden, wo Max Emanuel von 1692 bis 1701 als Statthalter des Königs in Brüssel residierte.

Für Deutschland aber hat dieser bayerische Kurfürst  mit seinem riesigen, raffinierten Wasserwegenetz sich ein spektakuläres technisches Denkmal gesetzt, das nur allzubald verfiel und in Vergessenheit zu geraten drohte. Doch zunächst einmal zu den Anfängen zurück.

Fast gleichzeitig mit der Entstehung Lustheims auf der Insel der Liebe begannen Planung und Bau des Kanalnetzes, für das man die Flüsse Würm, Amper und Isar anzapfte und verband. Benötigt wurde das Kanalnetz zu mehreren Zwecken.

Zum ersten als Wasserstrasse für den Baumaterialtransport. Denn vor allem für die Errichtung des Neuen Schlosses Schleißheim fehlte es in der moorigen, dünnbesiedelten Umgebung an geeigneten Wegen. Zum anderen sollte es für Lustfahrten und Jagdausflüge der höfischen Gesellschaft auf Prunkgondeln dienen sowie in den neuentstehenden oder ausgebauten Schloßparkanlagen die zahllosen Wasserspiele, die Fontänen, Wasserfälle und Bäche speisen und die dafür notwendigen Pumpen antreiben.

Militärs, Bauern und Arbeiter aus der Umgebung, Gastarbeiter aus Tirol und Italien und anfangs auch Gefangene aus den Türkenkriegen arbeiteten im Akkord.

Begonnen wurde 1689 beim heutigen Aumeister im Englischen Garten mit dem sogenannten Dirnismaninger Kanal. Er leitete über den Schwabinger Bach Isarwasser von Osten her nach Schleißheim. Heute verläuft dort unter anderem die Freisinger Landstrasse stadtauswärts, auf der 1940 zum Teil zugeschütteten Trasse. Garching war Hafen und Baumaterial wie vor allem Marmor und Sandstein wurden  von Mittenwald her sowie das Bauholz aus dem waldreichen Oberland auf der Isar herangeflößt. In Garching wurde auf Lastkähne umgeladen.

Von Westen wurde 1691/92 der Dachauer Kanal zusammen mit einer Chaussee nach Schleißheim geführt. In Dachau war der zweite Hafen. Er brachte mit dem Amperwasser zunächst besonders Ziegel und Lehm auf die Schleißheimer Großbaustelle.

Verstärkt wurde der Dachauer Kanal, der fast ohne Gefälle auskommen mußte, durch die beim heutigen Karlsfeld mit einem Kanal angezapfte Würm und einige Moorbäche.

Der Dirnismaninger wie der Dachauer Kanal wurden zu beiden Seiten von Wegen parallel begleitet, denn das geringe Gefälle erforderte Treideln, also das Ziehen der flachen, breiten Kähne durch Menschen oder Tiere vom Land aus. Die für den Wasserstand notwendigen Schleusen, Hebewerke und Pumpen benötigten ohnehin viel Ingenieursgeschick und Aufwand.

1702 wird von der Würm ein zweiter Kanal abgeleitet, nun um Nymphenburg anzuschließen. Ab Pasing führt der Würmkanal auf den Schloßpark zu, durchfließt ihn und strebt danach schräg durchs Schloßrondell, als Nymphenburg-Biedersteiner Kanal hinter Gern vorbei – die Gerner tauften ihn in scherzhafter Anspielung auf den berühmten Hofmaler „Canaletto“. Dann wird der Kanal durch den Olympiapark, das Ungererbad und den Petuelpark und an der Osterwaldstrasse in den Schwabinger Bach geleitet. Dieser führt, wie anfangs erwähnt, zum Aumeister und dem 12 Jahre früher gebauten Dirnismaninger-Schleißheimer Kanal.

Der Kreislauf ist geschlossen. Das braune Moorwasser der Würm vermischt sich kanalisiert mit dem grünen Gebirgsflußwasser der Isar und läuft über Schleißheim auf Dachau und die Amper zu und in die Würm zurück. Die Würm selbst wiederum mündet wenig später in die Amper und diese weiter nördlich zuletzt in die Isar. Ein ausgeklügeltes Meisterstück war das Kanalsystem und noch dazu in beachtlich kurzer Zeit aus dem Boden – nicht gestampft, sondern gegraben.

Max Emanuel aber wünschte sein großartiges Werk 1701 noch durch eine zusätzliche Direttissima zwischen der Münchner Residenz und dem Schleißheimer Schloß zu krönen. Nur ihr erster Teil, der aus unbekannten Gründen sogenannte „Türkengraben“, wurde bis zur Höhe der Georgenschwaige ausgeführt. Er verlief entlang der heutigen Kurfürsten- und Belgradstrasse. Max Emanuel hatte wieder einmal das Kriegsglück verlassen, ab 1704 mußte er für 10 Jahre nochmals ins Exil, der Bau ruhte und wurde nie vollendet. Das Bruchstück dieses Kanals wurde 1811 wieder verfüllt.

Die meisten seiner großzügigen Pläne hat Max Emanuel mit barocker Kraft und in absolutistischer Selbstherrlichkeit verwirklicht, zu unserem heutigen Glück.

Und er genoß, soweit er in Bayern weilte, die luxuriösen Gondelfahrten auf den Schleißheimer Kanälen in und außerhalb des Parks sowie in Nymphenburg auf den Wassern des Schloßparks und dem großen Bassin unmittelbar vor der äußeren Schloßfront.

Den würmgespeisten, aber abflußlosen Nympenburgerkanal mit dem unteren Bassin und die ihn begleitenden Auffahrtsalleen für die von der Residenz her anfahrenden Hofkutschen hat allerdings erst sein Sohn Carl Albrecht 1728 bis 1730 geschaffen. Dem ist im übrigen tatsächlich die von seinem Vater so vergeblich erstrebte Kaiserkrone zugefallen, aus dem bayerischen Kurfürsten wurde Karl VII.

Max Emanuels hochherrschaftliches Wasserwegenetz geriet relativ rasch außer Gebrauch und wurde vom Zahn des wechselnden Zeitgeistes entsprechend kräftig benagt. 10 Kilometer des ursprünglichen Systems führen heute kein Wasser mehr oder sind überbaut.

Aber anläßlich der Bundesgartenschau 2005 rückte man das denkmalgeschützte Werk wieder mehr ins öffentliche Bewußtsein: mit 500 weißblauen Holzstangen  wurden die Verläufe der Kanäle markiert, kleine Teilstücke als historische Beispiele restauriert, Orientierungstafeln aufgestellt und die Vereine „Freunde von Schleißheim“ und „Dachauer Moos“ gaben Veröffentlichungen heraus.

Außerdem wurde ein Radwegenetz eingerichtet, das inzwischen recht bekannt und beliebt ist. Heute wird im sportlichen Outfit zu Lande auf den alten Treidelwegen entlang der Kanäle mit den eigenen Wadln geradelt. Statt im Reifrock beziehungsweise in Strumpf- und Pumphosen auf venezianischen Gondeln von  echten Gondolieren auf dem Wasser spazierengeschaukelt zu werden.

So ist das Leben eben.

Andere Zeiten, anderer Zeitvertreib.

 

Dr. Ute Seebauer (aus Band IV des Nymphenspiegels)

 

 

Wo sich Isar- mit Würmwasser mischt

Münchens Norden ist für viele Bewohner der Landeshauptstadt eine eher ungeliebte, unbekannte Gegend. Selbst Fahrradausflüge durch den Englischen Garten enden meist im idyllischen Biergarten des „Aumeister“.

Daß sich in dessen unmittelbarer Nähe eine wichtige Wasserabzweigung zu einem insgesamt 40 Kilometer langen Kanalsystem verbirgt, ist nur wenigen bewußt. Bayerns Barockzeit war auf dem Höhepunkt, als der Baumeister Enrico Zucalli 1689 im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel damit begann, ein umfangreiches Kanalsystem für die wasserarme Münchner Schotterebene zu ersinnen. Es sollte das damals gerade fertiggestellte Schloß Lustheim mit Wasser versorgen und zum Transport von Baumaterialien für das geplante Neue Schloß Schleißheim dienen, aber auch den Betrieb von Mühlen und Pumpen dienen. Ziegeleien in Ismaning, Oberföhring, aber auch im lehmigen Dachauer Hinterland lieferten das begehrte Baumaterial, das für diese Großbaustellen in immensen Mengen benötigt wurde. Die Kanäle verbanden Schloß Nymphenburg, Schleißheim und Dachau miteinander, ein weiterer Kanal, der direkt von Schleißheim bis zum Hafenbecken nahe der Münchner Residenz führen sollte, wurde wegen Geldnot nicht mehr fertiggestellt.

Erst ab 1850 stellte sich mit der zunehmenden Industrialisierung ein größerer Funktionsverlust ein, die Wasserstraßen blieben aber bis weit in unsere Zeit hinein funktionsfähig. Im Schleißheimer Park, der durch zwei seitliche Kanäle flankiert wird, mischt sich, mit bloßem Auge zu erkennen, Isarwasser mit dem Wasser der Würm, grüne Farbe aus dem Hochgebirge des Karwendel mit dem klaren Ausfluß des Starnberger Sees. Ein ringförmiger Kanal macht Schloß Lustheim, das der junge Kurfürst Max Emanuel für seine erste Ehefrau, der österreichischen Kaisertochter Maria Antonia, erbauen ließ, zu einer Insel.

Dieses Kanalnetz, ein rund dreihundert Jahre altes Wunderwerk der barocken Wassertechnik, ist leider stellenweise in Gefahr. Besonders im östlichen Dachauer Moos ist es über weite Strecken verkommen, teilweise aufgelassen und zugeschüttet. Da vielerorts auch der Wasserstand zu niedrig ist, kann der Uferbewuchs leicht vom Kanalbett Besitz ergreifen. Hier finden sich, neben einheimischen Pioniergehölzen, zahlreiche Neophyten, also gebietsfremde Pflanzen, wie die Wasserpest, der Staudenknöterich und mehrere Springkrautarten. Diese gelten als sogenannte „invasive Pflanzen“, die alle anderen Arten verdrängen und durch ihr starkes ungebremstes Wachstum die Verlandung der Gewässer stark beschleunigen.

In meiner Kindheit, in den 1960-er Jahren, war der Münchner Norden eine weite, ebene Landschaft. Es gab keine Zersiedelung, keine Lärmschutzwälle, keine Allianz-Arena.

Sah man vom Stadtrand in Freimann Richtung Norden, erkannte man einige Kilometer entfernt eine imposante Allee von Schwarzpappeln, die den alten Schleißheimer Kanal, säumten und von Glanz und Größe vergangener Zeiten kündete.

Das gesamte Kanalsystem hat so viel schlechte Tage erlebt, es gab Geldknappheit, Besatzung und Kriege. Sollte es den verschiedenen Gemeinden, die das Kanalsystem durchfließt,  nicht möglich sein, dieses Kulturdenkmal auch heute noch, mit besseren technischen Möglichkeiten als vor dreihundert Jahren, zu erhalten?

Doris Fuchsberger

(aus “Die neue Isar”, Band 2)

 

 

 

Weitere Projekte von Ralf Sartori unter www.nymphenspiegel.de oder www.tango-a-la-carte.de

 

Ausführliche Informationen zu de Isarbüchern unter dem Link: www.die-neue-isar.com/die-neue-isar

 

 

Comments are closed.