Isarrenaturierung

 

Isarrenaturierung München - Mühltal, Obere Isar, Bayern: der anhaltende Versuch einer Gesamtschau

Über diese dynamisch sich entwickelnde Isar-Homepage sowie in der Isarbuch-Reihe Die neue Isar, die jährlich mit mindestens einem weiteren Band erscheint, finden Sie stets aktuelle Hintergrundberichte und Dokumentationen zur Isarrenaturierung in München, zum Isarplan mit seinen möglichen Nachfolge-Projekten und -Entwicklungen: von den maßgeblichen Protagonisten und Fachautoren.

Diesen fachlich-journalistisch-literarischen Anspruch vertritt diese Isar-Buchreihe übrigens auch zu allen anderen Streckenabschnitten des Flusses: von der Quelle bis zur Mündung. Passend dazu, daß sich Flußrenaturierungs-Maßnahmen ohnehin nicht isoliert, nur auf bestimmte Streckenabschnitte bezogen, betrachten lassen, sondern daß man dabei immer den Gesamt-Kontext des lebendigen Systems Fluß im Blick behalten muß.

Diese Grundbedingung findet konsequenterweise auch ihren Niederschlag in der redaktionellen Arbeit der Isarbuch-Reihe. Zudem setzen sich die Initiatoren auch selbst für weitergehende Schritte der Isarrenaturierung in allen Bereichen ein.

Ergänzt wird die jährlich mit mindestens einem weiteren Isarbuch erscheinende Publikation immer wieder durch aktuelle Isar-Fachbeiträge im Isarblog der Redaktion unter www.die-neue-isar.com/isarrenaturierung/isar-muenchen-isar-blog

Die isarfachlichen Themen stellen dabei in den Isarbüchern den Kernbereich dar. Doch auch ein breiter isarliterarischer Anteil sowie eine spitze essayistische Feder tragen zum ganzheitlichen Ansatz der Reihe Die neue Isar bei – ergänzt von Portraits, Interviews, Lyrik und kabarettistischen Texten, immer soweit sich eine solche Mischung von Band zu Band wieder neu in einem stimmigen Gesamtkontext Isar bringen läßt.

Mehr dazu noch auf dieser Seite sowie unter folgendem Link dieser Homepage: www.die-neue-isar.com/die-neue-isar

 

Ein kleiner Isarspaziergang

Die Isar im Mühltal – und natürlich nicht nur in diesem Flußabschnitt - hat sich aufgrund der jahrzehntelang vorhandenen Uferverbauung, Wasserknappheit durch Ausleitung in den Werkskanal sowie des anhaltenden Geschiebemangels, bereits so weit eingetieft, daß die ehemaligen Auwaldrinnen schon lange nicht mehr vom Fluß befüllt werden können und trocken gefallen sind. Und trotz der bisher durchgeführten Renaturierungsmaßnahmen (beim Pilotprojekt Mühltal) tieft die Isar sich immer noch weiter ein.

„Blick vom Damm des Isar-Werkkanals im Mühltal, in den Auwald aus Pappeln, Weiden, Weißdorn, Pfarrerkäppchen (Eyonimus), Birken, Wacholder, Fichten …, im Vordergrund vertrocknete Rispen von Silberkerzen. Doch die vordergründige Schönheit der Landschaft täuscht.

 

 

„Auwald bei Mühltal/ Natürlich – auf den ersten Blick … . Doch die Isar liegt dort heute streckenweise mehr als 2 Meter unter dem Auwald-Niveau.“

 

 
 
 
 
 

„Allerdings fließen dort zahlreiche Hangquellen aus dem östlichen Hochufer, die in Röhren unter dem Werkskanal hindurchgeleitet werden, direkt in den an dessen Westufer gelegenen Auwald. So wird dieser dort wenigstens immer noch durch diese Hangquellen ein wenig bewässert.


Diese Biotope würden jedoch über eine durchaus mögliche Wiederanbindung des Flusses an den Auwald, mittels Anhebung der Flußsohle und unter gezielter Lenkung durch Buhnen sowie durch teilweises maschinelles Öffnen trockenliegender Rinnen, keineswegs leiden. Im Gegenteil: Auwald mit Hangquellenteichen und –Kanälen könnten zusammen mit dem Fluß wieder eine hochdynamische Einheit bilden, so wie es diesen Landschaftsformen seit jeher entspricht.

Hingegen wirkt das Gebiet heute so statisch wie ein Botanischer Garten. Ganz gleichgültig, wie lange man nicht dort war – sobald man wiederkommt, sieht es darin immer noch so aus wie beim letzten Mal. Auf den ersten Blick wunderschön, auf den zweiten Blick: erstarrt – eine seltsame Melancholie, die sich dann schnell in einem breitmacht. Es fehlt einfach der Fuß …, das Leben – Veränderung!

Leider wurden bei der Renaturierung im Mühltal die Vorgaben des Gewässerpflegeplanes nur unzureichend umgesetzt, was letztendlich der Grund sein dürfte, daß die Isar den Auwald lediglich am Rande und überhaupt nur noch bei Hochwasser erreicht. Und auch dann schafft sie es nicht, sich dauerhafte neue Zugänge freizuspülen, wegen der verbliebenen Verbauungen und weil sie einfach schon zu tief liegt. Im Gegenteil: Meist läßt das Hochwasser, nachdem es sich zurückgezogen hat, noch Sedimentablagerungen dort zurück, was den Höhenunterschied von Überschwemmung zu Überschwemmung noch verstärkt.

Fehlt hier einfach der politische oder behördliche Wille, die Situation dort wesentlich zu verändern? Dabei gilt doch gerade die Mühltal-Renaturierung als Pilotprojekt mit `Leuchtturmwirkung´. Scheut man womöglich gerade deshalb die Optimierung in diesem Gebiet – wie auch in der Pupplinger Au –, um so die Latte für weitere `Angänge´ an anderen Isar-Abschnitten und weiteren bayerischen Flüssen, niedriger zu halten? Dieses Thema ist sicherlich hoch komplex.

Bild 3 zeigtein größeres Altwasser in den Auwald-Hangquellenbiotopen des Mühltals.

 

„Energiewende“, „Umweltrecht“ und privatwirtschaftliche Interessen contra Natur

Dieser Artikel behandelt die hier angesprochenen Themen ausführlicher und befindet sich im Isar-Blog dieser Homepage unter dem Link www.die-neue-isar.com/isarrenaturierung/isar-munchen-isar-blog.

 

 

Die bisher halbherzig ausgeführten Maßnahmen und ihre negativen Konsequenzen:

Das mit Naturschutz-Argumenten begründete teilweise Belassen der dortigen Uferbefestigungen, dürfte ein entscheidender Grund dafür sein, daß sich die Isar nach dem großen Hochwasser 2010 in diesem Abschnitt wieder auf einen einzigen Arm zurückgezogen hat, anstatt eine Furkations-Strecke (Mehrarmigkeit mit Gabelungen) auszubilden, wie es in dem von Walter Binder (ehemals Leiter des „Referats Gewässerentwicklung und naturnaher Wasserbau im Bayerischen Landesamt für Umwelt/ ein langes Interview mit ihm befindet sich in Band 1 „Die neue Isar“) erstelltem „Gewässerpflegeplan“ eigentlich vorgesehen ist. Weiter wird darin eine erneute Durchströmung der noch vorhandenen, nun trockenliegenden Auwaldrinnen ausdrücklich angestrebt. Beides wurde mit den bisher erfolgten Renaturierungsmaßnahmen definitiv nicht erreicht und ist unter diesen Bedingungen auch künftig nicht vorstellbar.

Natürlich haben sich die bisherigen Maßnahmen bereits vielfach positiv ausgewirkt, doch in den angesprochenen und grundlegenden Aspekten haben wir es eher mit einer „Sich selbst verstärkenden negativen Wechselwirkung“ zu tun. Es soll diesbezüglich schon seit mindestens 2008 eine „Arbeitsgruppe Mühltal“ unter Beteiligung der Isarallianz ins Leben gerufen werden. Bisher (Oktober 2011) gibt es allerdings noch nicht einmal einen Termin dafür.

„Die Isar im Mühltal: dort feiert das Leben noch Seine Feste, feiert unentwegt die eigene Energie und Schönheit, in fließendem Wandel. Doch noch immer sind der Isar, der alten Tänzerin, einschneidende Fesseln angelegt.


Hat man womöglich eine Weiterentwicklung der Isar in Richtung eines verbesserten Naturzustandes im Mühltal schon abgeschrieben, trotz der überzeugenden Lösungsansätze im Gewässerpflegeplan? Man fragt sich: „Sind diese anspruchsvollen und fachlich hervorragenden Pläne von Amts wegen nur als theoretische Konstrukte zu sehen, die vorwiegend ein Schubladen-Dasein führen? Ein Schicksal, das auch manche Studien, die voller hilfreicher Lösungsansätze sind, zu teilen scheinen. Fehlt hier ganz einfach der politische bzw. behördliche Wille, um diese Schubladen zu öffnen?

Warum sollten wir uns mit diesen negativen Entwicklungen an der Isar so leicht abfinden, wenn sie doch zu diesem Zeitpunkt leicht noch umgekehrt werden könnten, zumindest teilweise?  Ohne, daß dies zugleich die Gewinne der Wasserkraftwerksunternehmen beeinträchtigen würde.

Was helfen könnte, ist, für eine breite öffentliche Wahrnehmung der dortigen Situation zu sorgen, um damit nicht nur am Fluß, sondern auch in den stehengebliebenen Maßnahmen wieder mehr Dynamik zu erzeugen. 

„Hochwasser am Flaucher“. Die von der Isarallianz unter Leitung von Dr. Nico Döring in den 90er Jahren mühsam und ganz knapp errungene Isarrenaturierung im Mühltal wurde zum Vorreiterprojekt für die Isarrenaturierung in München, unter dem Motto „Neues Leben für die Isar – Der Isarplan“.

 

Beim Projekt “Isarplan” bezog man vom Gebiet des Münchner Flauchers das Leitbild.

Die ersten beiden Bände der Reihe „Die neue Isar“ beschreiben ausführlich Geschichte, Details und Hintergründe der Renaturierungsvorhaben in Mühltal sowie des Isarplan Münchens. Mehr darüber auch unter dem Link: www.die-neue-isar.com/die-neue-isar

Band 3 „Die neue Isar“ (Erscheinungsdatum: Februar 2012) bewegt sich hinsichtlich der Themenbereiche der Isarrenaturierung weiter flußaufwärts. Darin beschreibt unter anderem der Biologe, leidenschaftliche Isar-Bootsfahrer und Vogelschützer Heribert Zintl in einem langen teils autobiographisch gefärbten Text das Ringen um Renaturierungsmaßnahmen an der Oberen Isar sowie um Zugaben des dazu nötigen Geschiebes unterhalb des Sylvensteindammes und auch von den Seitenbächen der Isar.

Auch Band 2 „Die neue Isar“ nimmt in einen Fachartikel von Franz Speer (im Vorstand des Vereines „Rettet die Isar jetzt e.V.“) ausführlich auf die Themenbereiche Bezug.“

 

Das Prinzip der Durchgängigkeit

Die Buchreihe „Die neue Isar“ begleitet die Isar Band für Band im Fluß der Zeit, quer durch sämtliche Literatur-Gattungen mäandrierend und fachlich interdisziplinär, damit umfassend,  ganzheitlich, fortlaufend und dauerhaft: als Buch-Fluß.

Dabei geschieht die Arbeit an dieser Reihe zu jedem Zeitpunkt offen prozeßorientiert, in steter Rückbindung an Entwicklungen, Projekte und Geschehnisse entlang der Isar, im Dialog mit dem Fluß, den Autoren, Isar-Engagierten sowie den eigenen inneren Prozessen dabei.

Bei der Navigation in diesem Buchfluß bestehen zwar klar umrissene Ziele, Perspektiven und Konzepte, die im Verlauf dieses Prologs noch genannt –, welche aber nie starr festgeschrieben sind und im permanenten Rück-Fluß, den diese Arbeit hervorbringt, stetig angepaßt werden. Eine solche Vorgehensweise erscheint mir als eine dem Fluß – in dessen ursprünglicher Form eigenen Wirkungsweisen – möglichst nahe kommende und sich so mit der Isar im Einklang befindende.

Was dieser Themen-, Ideen-, und Inspirationsfluß dabei an den Redaktionsschreibtisch spült, beeinflußt zudem in gewissem Grad auch den Umfang der Isarbände sowie die zeitlichen Intervalle, in denen sie erscheinen, mit.

Dabei folgt dieses Projekt natürlich nicht vorrangig den Gesetzen des Marktes, sondern vor allem dem Streben, die Potentiale und Werthaltigkeit der ihm zugrundeliegenden Philosophie zu verwirklichen.

Bei der Isarrenaturierung spielt das Prinzip der Durchgängigkeit für Flußorganismen wie auch für Geschiebe, also für Isarkies, eine entscheidende Rolle.

Die Renaturierung einzelner Flußabschnitte ist nur dann weitestgehend erfolgversprechend, wenn man dabei auch immer den Fluß als Gesamtorganismus, als lebendes Gesamtsystem betrachtet und in seinem Wesen berücksichtigt.

Das Prinzip der Durchgängigkeit findet jedoch, auf übertragenen Ebenen, auch in der Arbeit an dieser Isarbuchreihe Berücksichtigung:

So ist beispielsweise einer der vielen Ansprüche, die sich damit verbinden, ebenso die Gesamtheit all der Menschen und Initiativen, die sich für den Fluß einsetzen und sich um ihn bemühen, aus der räumlichen wie überzeitlichen Vogelperspektive einer Isarbuchreihe sichtbar werden zu lassen, in einem Gesamtbild.

Vielleicht läßt sich aus einer solch umfassenderen Betrachtung für alle engagiert Beteiligten auch ein mögliches Interagieren und Ineinandergreifen dieser einzelnen Initiativen noch weiter befördern, ungeachtet, ob sie von engagierten Amtsleitern der Wasserwirtschaft ausgehen oder von Naturschutz-Vereinen, Privatpersonen, Gemeinden, Bürgermeistern, Landräten, wie auch immer.

Nicht selten werden aber auch dort noch manch drängende Anliegen des Flusses in Konflikten aus Eigeninteressen heraus aufgerieben. Da könnte die Isarbuchreihe möglicherweise ein wenig beitragen, die Bedürfnisse und Notwendigkeiten des Flusses bei allen Beteiligten wieder verstärkt in den Vordergrund zu rücken und für diesen neu zu begeistern. In einem möglichen weitergehenden Interagieren solcher Initiativen, Naturschutzgruppen, -Verbände und engagierter Einzelpersonen, stecken sicherlich noch große schlafende Potentiale und Synergiewirkungen für die Isar, die zu wecken, sich lohnen.

Und aus der von Band zu Band stetig erneuerten Zusammenschau mag vielleicht auch manche Begeisterung und Bestätigung noch erwachsen, das jeweils eigene, oft mühsame und immer wieder von Rückschlägen gezeichnete Sich-Einsetzen in einem größeren und weiteren Gesamtkontext betrachten zu können. Wenn man direkt am Ufer des Flusses arbeitet, entsteht leichter der Eindruck, damit allein gelassen zu sein. Aus der Vogelperspektive erst erkennt man noch die vielen anderen, die von der Quelle bis zur Mündung sich um die Isar und die vielen weiteren bedrohten Gewässer und Natur-Orte kümmern.

Mehr zu dem Buchfluß Die neue Isar unter folgendem Link auf dieser Homepage: www.die-neue-isar.com/die-neue-isar.

Ralf Sartori

„Die neue Isar flutet nach München“


© by Ralf Sartori auf alle Bilder

Weitere Informationen zum Isarplan unter dem Link: www.die-neue-isar.com/die-neue-isar und in den Bänden dieser Isarbuchreihe

Ralf Sartori

Forum und Redaktion Die neue Isar

 

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Weitere Projekte von Ralf Sartori unter www.nymphenspiegel.de oder www.tango-a-la-carte.de

 

 

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